Demokratie lernen, Demokratie leben: Rückblick auf die 9. Europäische Service-Learning-Konferenz in Bamberg

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Vom 7. bis 9. Oktober 2026 war die Universität Bamberg Gastgeberin der 9th European Conference on Service-Learning in Higher Education (ECSLHE). Unter dem Motto „Strengthening Democracy through Service-Learning and Civic Engagement“ tauschten sich rund 130 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis darüber aus, wie Service Learning die demokratischen Kompetenzen von Studierenden entwickeln und stärken kann.

Federführend für Organisation und Durchführung der Konferenz war die Universität Bamberg, in enger Zusammenarbeit mit der European Association of Service-Learning in Higher Education (EASLHE) und dem Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung. Besonders freut uns, dass damit erstmals eine Mitgliedshochschule unseres Netzwerks die Europäische Konferenz in Deutschland ausgerichtet hat.

Auftakt: Projekttreffen und Podium zur Akkreditierung

Schon vor dem offiziellen Beginn war Bamberg ein Ort intensiver Zusammenarbeit. Zwei Tage lang traf sich hier das Konsortium des Erasmus+-Projekts SL4DC (Service-Learning to promote Competences for Democratic Culture), in dem das Hochschulnetzwerk Partner ist. Die Projektpartner werteten die Ergebnisse aus dem ersten Jahr der internationalen Zusammenarbeit aus und stimmten die nächsten Arbeitsschritte ab.

Direkt im Anschluss eröffnete die Konferenz. Am ersten Tag diskutierten für das Hochschulnetzwerk Jörg Miller (Sprecher) und Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz (stellvertretender Sprecher) über die Akkreditierung von Service Learning. Mit auf dem Podium saßen Berta Paz Lourido, PhD (EASLHE), José María Nyssen (ANECA, spanische Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung) und Dr. Frank Peter Ritter (Stiftung Akkreditierungsrat).

Keynote: Lehrkräfte als demokratische Change Agents

Der zweite Konferenztag stand im Zeichen einer zentralen Frage: Wie bilden wir Lehrkräfte zu demokratischen Change Agents aus? In ihrer Keynote zeigten Dr. Carmen Heckmann und Prof. Dr. Holger Horz (Goethe-Universität Frankfurt), wie Service Learning in der Lehrkräftebildung demokratische Resilienz stärken kann. Dabei sprachen sie auch offen über eine der großen Herausforderungen des Feldes: die Frage nach belastbarer Evidenz. Besonders gefreut hat uns, dass mit Carmen Heckmann ein aktives Vorstandsmitglied des Hochschulnetzwerks die Keynote mitgestaltet hat.

Ihre Botschaft: Gerade weil technologische Umbrüche die Zukunft immer weniger planbar machen, lohnt es sich, zuversichtlich nach vorn zu blicken und auch aufwändigere Formate wie Service Learning als festen Baustein der Lehrkräftebildung zu erhalten. Reiner Wissenserwerb allein bereitet nicht auf eine ungewisse Zukunft vor. Angehende Lehrkräfte brauchen Lernerfahrungen, in denen sie Verantwortung übernehmen, mit Unsicherheit umgehen und gesellschaftliche Wirklichkeit selbst erleben.

Ein Feld in seiner ganzen Breite

Das weitere Programm zeigte, wie vielfältig das Feld inzwischen ist. Die Sessions reichten von der Gestaltung von Service Learning für demokratische Kompetenzen über Zugehörigkeit und politische Teilhabe bis zu Kooperationen mit marginalisierten und migrantischen Communities. Weitere Themen waren epistemische Gerechtigkeit, Partnerschaften zwischen Hochschule und Zivilgesellschaft, europäische Hochschulallianzen sowie die Institutionalisierung von Service Learning, bis hin zu Konfliktkontexten. Workshops und eine Posterausstellung mit Projekten aus ganz Europa und darüber hinaus rundeten das Programm ab.

Alle Beiträge verband eine gemeinsame Frage: Wie können Hochschulen Studierende befähigen, Demokratie aktiv mitzugestalten? Service Learning gibt darauf eine überzeugende Antwort, denn hier wird demokratisches Handeln nicht nur gelehrt, sondern gelebt.

Junge Forschung im Fokus

Einen eigenen Akzent setzten die Beiträge von Nachwuchsforschenden. Dr. Bernd Josef Leisen stellte mehrere Projekte zu digitalen und hybriden Formen des Engagements vor. Er zeigte, wie wichtig unternehmerisches Denken ist, damit Service-Learning-Projekte auch über die Anfangsphase hinaus Bestand haben. Patrycja Stempniewicz befasste sich mit Metakognition im Service Learning als transformativer Praxis für demokratische Kultur. Dabei schlug sie überzeugend die Brücke zum „Schmetterlingsmodell“ demokratischer Kompetenzen, das der Europarat entwickelt hat.

Was wir mitnehmen

Demokratiebildung braucht Handlungsräume. An Schulen wird derzeit intensiv diskutiert, wie Demokratiebildung zeitgemäß gestaltet werden kann. Diese Diskussion sollten auch die Hochschulen stärker führen. Service Learning ist dafür ein wichtiger Ansatz, muss aber nicht immer mit einem großen Format beginnen. Es gibt auch niedrigschwellige Wege, akademisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. Entscheidend ist, anzufangen.

Internationaler Austausch zählt. Zu sehen, wie Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern Service Learning gestalten und welche Arrangements tatsächlich Wirkung entfalten, inspiriert die eigene Lehre und Forschung. Gute Praxisbeispiele helfen, die eigenen Ansätze zu hinterfragen, neue Ideen zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Und nicht zuletzt hat die Konferenz einmal mehr gezeigt, wie wertvoll die Gespräche zwischen den Vorträgen sind. Oft entstehen gerade dort die neuen Ideen.

Danke!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die nach Bamberg gekommen sind, ihre Arbeit vorgestellt, mitdiskutiert und diese drei Tage zu einer so positiven Erfahrung gemacht haben.